Das Kino auf St. Pauli
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Unser Programm im April 2018

Programmbild April 2018: 1968 Von Revolutionen Trńumen

1968 Von Revolutionen Träumen

Ein halbes Jahrhundert vergeht nicht umsonst, wenn die Revolution nur ein paar Straßen entfernt zu sein schien. Gestritten wird über die Zeit bis heute, über gesellschaftlichen Wandel, politische Irrwege und den Weg in den Terror, den einige wählten. Analysen, Bücher und Filme dazu gibt es unzählige, doch wie zeigte sich die Revolte in der Zeit selbst? Anlass für uns, fast vergessene Filme neu zu entdecken und auf die Leinwand zu holen. Also: Licht aus, Projektor an und Eintauchen in deutsche Spielfilme, in denen die Revolte zu ahnen ist oder stattfindet. Wo Kaufhäuser in Brand gesteckt werden, Frauen die Emanzipation entdecken, Gammler die Arbeit scheuen, Rocker mit der Roten Zelle Germanistik diskutieren und ein Schüler seine autoritären Lehrer verzweifeln lässt.
Am letzten Wochenende zeigen wir im 68er Dok- und Kurzfilm-Special Filme aus Berlin und Hamburg. Mit den Filmemacher*innen Christian Bau und Helke Sander diskutieren wir im Symposium: 68er Filme - Nachrichten aus der Antike? Und natürlich ist dies ein Grund zum Feiern, für alle, die diese Filme mit uns wieder und neu entdecken wollen. 1968 lassen wir beim Drink-In hochleben.
Im Mai setzen wir die Reihe fort und zeigen Filme aus einigen Ländern, in denen 1968 ebenfalls zur politischen Protestgeschichte gehört.

Gefördert von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein und der FFA Filmförderungsanstalt



15. Dokumentarfilmwoche Hamburg im B-Movie

Vom 12. bis 15. April zeigt die dokumentarfilmwoche hamburg experimentelle und unabhängige Produktionen, Höhepunkte internationaler Festivals und eine Retrospektive zum amerikanischen Filmemacher Travis Wilkerson auch hier im B-Movie.

Genaueres unter www.dokfilmwoche.com

Sonntag,
01.04.
18:00
20:00
Mittwoch,
04.04.
20:00
Hörbar
Donnerstag,
05.04.
19:00
21:00
Samstag,
07.04.
16:00
20:00
22:00
23:59
Sonntag,
08.04.
18:00
20:00
Dienstag,
10.04.
20:00
Mittwoch,
11.04.
21:00
Donnerstag,
12.04.
19:00
DokFilmWoche
21:30
Freitag,
13.04.
19:00
21:30
Samstag,
14.04.
18:30
21:00
Sonntag,
15.04.
14:00
16:30
DokFilmWoche
19:00
21:00
Dienstag,
17.04.
20:00
Mittwoch,
18.04.
21:00
Hörbar
Donnerstag,
19.04.
19:00
21:00
Samstag,
21.04.
20:00
Es
Film
22:00
Sonntag,
22.04.
15:00
18:00
20:00
Dienstag,
24.04.
20:00
Mittwoch,
25.04.
21:00
Hörbar
Donnerstag,
26.04.
19:00
21:00
Freitag,
27.04.
21:30
Samstag,
28.04.
16:00
18:00
20:00
22:00
Sonntag,
29.04.
16:00
18:00
20:00

Die Veranstaltungen im Einzelnen

Tätowierung

BRD, 1967, 86 min, digital

Regie: Johannes Schaaf
Darsteller: Christof Wackernagel, Helga Anders

Benno, 16 Jahre, lebt in einem Jugendheim und wird von dem sozial engagierten, wohlhabenden Ehepaar Lohmann adoptiert, doch ihm ist ihre Fürsorglichkeit zuwider. Benno soll Koch werden und sein "Vater" will ihm Verhaltensregeln und Allgemeinwissen beibringen. Benno verweigert sich, kündigt seine Stelle, arbeitet beim Adoptivonkel und stiehlt dort einen Teppich. Gaby, die junge Nichte der Lohmanns, lebt ebenfalls im Haus, sie umgarnt Lohmann ebenso wie Benno. Nach einem Ausflug an die Berliner Mauer schläft sie mit Benno, weist ihn aber am nächsten Tag zurück. Als Benno sieht, wie sie in das Auto eines anderen Mannes steigt, erschießt er plötzlich Lohmann. Benno flieht und wird bald darauf von der Polizei gefasst.

Sonntag, 01. April, 18:00 Uhr
Donnerstag, 26. April, 21:00 Uhr reservieren

Auf Scheißer schießt man nicht

BRD, 1969, 88 min, DCP

Regie: Hansjürgen Pohland
Darsteller: Claudia Bremer, Jan George

Satire über eine Clique von jungen Aussteigern, oder wie man damals sagte: Gammlern. Sie wohnen zusammen auf einem Hausboot und leben von kleineren kriminellen Delikten. Einer jungen Frau, die mit ihrem Motorrad durchs Land fährt, gefällt dieses Leben. Sie schließt sich ihnen an und stachelt die Gruppe zu größeren Taten an, ein bewaffneter Raubüberfall wird geplant. Das führt zu Komplikationen, in der Gruppe wie in ihrer Verbindung zur kriminellen Szene, die Gewaltfrage stellt sich.

Sonntag, 01. April, 20:00 Uhr
Donnerstag, 19. April, 21:00 Uhr
Donnerstag, 26. April, 19:00 Uhr reservieren

Re:Fokus

Monatliches Treffen audiovisueller Kultur, Bilder, Sounds und deren Zusammenspiel, audiovisuelle Kunst und Austausch über aktuelle Entwicklungen.

Mittwoch, 04. April, 20:00 Uhr
H├Ârbar

Brandstifter (mit Vorfilm "Pfeiffer")

BRD, 1969, 65 min, digital

Regie: Klaus Lemke
Darsteller: Margarethe von Trotta, Iris Berben, Veith von Fürstenberg

Köln 1969: Die Studenten setzen sich gegen die von ihnen als autoritär eingestufte politische Ordnung zur Wehr. Die in der außerparlamentarischen Opposition aktive Studentin Anka hat aber von den vielen folgenlosen Debatten die Nase voll. Da sie nicht mehr daran glaubt, mit Worten allein die Welt verändern zu können, plant sie eine militante Aktion: Aus Protest gegen den Vietnam-Krieg deponiert sie eine Bombe in einem Kölner Kaufhaus, um die Öffentlichkeit zur Auseinandersetzung zu zwingen (Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Ereignissen sind nicht zufällig).

Vorfilm: Pfeiffer
BRD 1967, 11 Min., 35 mm, Regie: Marran Gosov, mit Dieter Augustin
Gustl will eine neue politische Zeitung gründen. Jeder, der für sie schreibt, soll erstmal zahlen.

Donnerstag, 05. April, 19:00 Uhr
Sonntag, 22. April, 20:00 Uhr

San Domingo

BRD, 1970, 138 min, digital

Regie: Hans-Jürgen Syberberg
Darsteller: Michael König, Alice Ottawa

Michi flieht vor seiner reichen Familie in eine Rocker-Kommune. Die diskutieren mit der Roten Zelle Germanistik, täuschen Michis Eltern eine Entführung vor und setzen Alice auf ihn an. Doch die beiden verlieben sich. Als Alice ihren Teil vom Lösegeld kassiert, kommt es zur Katastrophe, danach zur wilden Motorradfahrt auf den Landstraßen zur Musik von Amon Düül II.

Donnerstag, 05. April, 21:00 Uhr
Sonntag, 29. April, 20:00 Uhr reservieren

Kinotreff für Gehörlose, Schwerhörige und Hörende: Kino für Kids

Immer mit dabei - der kleine Maulwurf. Der Eintritt ist frei. Nähere Infos zum Programm unter:

www.kinotreff.wordpress.com

Samstag, 07. April, 16:00 Uhr

Ich bin ein Elefant, Madame

BRD, 1968/69, 100 min, 35mm

Regie: Peter Zadek
Darsteller: Wolfgang Schneider, Heinz Baumann

Paraphrase auf die Studentenrevolte der 60er Jahre. Der Primaner Rull probt an einem Gymnasium in Bremen den Aufstand und versucht, die autoritären Strukturen seiner Schule zu demokratisieren. Er lehnt die herrschende Ordnung leidenschaftlich ab und denkt sich immer neue Aktionen aus, um seine Umwelt zu provozieren. Ihm droht der Schulverweis, doch die Mitschüler solidarisieren sich. Es entsteht eine humorvolle Protestbewegung, die nach demokratischen Schulreformen verlangt.

Samstag, 07. April, 20:00 Uhr
Donnerstag, 19. April, 19:00 Uhr

Q-Movie Bar: Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt

mit Vorfilm

BRD, digital, 78 min, 1970

Regie: Rosa von Praunheim

Semi-dokumentarische Szenen aus dem Leben von Schwulen in der Subkultur Anfang der 1970er Jahre. Praunheims Attacken richten sich nicht gegen fremde Unterdrücker, sondern auf das eigene Lager samt der Konsequenz, Gruppen zu bilden. Tenor des Films ist, dass Schwule ihre unmäßige Angst überwinden und aus ihren Verstecken kommen sollen, um solidarisch und kämpferisch miteinander für eine bessere, gleichberechtigte Zukunft anzutreten. Dadurch wurde er zum Auslöser für die Entstehung der modernen deutschen und schweizerischen Schwulenbewegung. Verwirrung, Empörung, Bestürzung im Schwulenlager waren die Folge, aber auch Bewegung, Aktion, Coming out und Solidarität.
Die Aufführung des Films im Fernsehen wurde zum Skandal. Der WDR war 1972 der einzige Sender, der den Film im 3. Programm ausstrahlte. Die parallele Aufführung bei der ARD wurde kurzfristig abgesagt. Die ARD strahlte den Film ein Jahr später aus, Bayern schaltete sich daraufhin aus dem Programm aus.

mit Vorfilm

Samstag, 07. April, 22:00 Uhr

Midnightmovie: Django Nudo und die lüsternen Mädchen von Porno Hill

US, 1968, 75 min, DF, digital

Regie: Byron Mabe
Darsteller: John Eversteiff(!), Donna West

1968, alle deutschen Synchronstudios liefern einwandfreie Übersetzungen. Nur im kleinen Berlin stellen ein paar Autoren die schnodderigste, sinnwidrigste und amüsanteste Synchro aller Zeiten her. Vermaledeit, das funktioniert. "Das ist ein Stein. Und ein Kaktus. Hier ist wohl mal eine Schlange entlanggegangen."

mit Einführung

Samstag, 07. April, 23:59 Uhr

Neun Leben hat die Katze

BRD, 1968, 92 min, 35mm

Regie: Ula Stöckl
Darsteller: Liane Hielscher, Christine Deloup

München, Sommer 1967. Katharina erhält Besuch von ihrer französischen Freundin Anne. Sie machen Ausflüge, besuchen Cafés, Bekannte und Parties. Sie erkunden die Chancen weiblicher Emanzipation in einer männlich geprägten Gesellschaft ... Der essayistische Spielfilm stellt fünf Frauentypen ins Zentrum der Episoden-Handlung: die unverheiratete berufstätige Frau, die Geschiedene, die sich um die Zukunft sorgt, die Karrierefrau, die Betrogene und eine "Traumfrau".
Ula Stöckl, 1968: "Nie hatten Frauen so viele Möglichkeiten, ihr Leben einzurichten, wie sie es wollen. Aber jetzt müssen sie überhaupt erst lernen, dass sie etwas wollen können."
Neun Leben hat die Katze gilt als "der erste feministische Film" der Bundesrepublik. (Christa Maerker).

Sonntag, 08. April, 18:00 Uhr
Sonntag, 15. April, 19:00 Uhr
Samstag, 21. April, 22:00 Uhr

Der lange Sommer der Theorie

D, 2017, 81 min, DCP

Regie: Irene von Alberti
Darsteller: Julia Zange, Katja Wielandt, Martina Schöne-Radunski

Berlin, Sommer 2016, drei Frauen leben in einer WG. Katja ist Schauspielerin, hadert mit ihren Rollen und vermietet Wohnungen an Touristen. Martina ist Fotografin und hat keine Lust auf die Schmeicheleien eines Kurators. Sie schreit sich lieber mit ihrer Band die Seele aus dem Leib. Nola geht es um die Theorie und wie man sie heute nutzbar machen kann. Sie interviewt In ihrem Film Soziolog*innen, Historiker*innen, Kulturschaffende und Theoretiker*innen. Es geht um Feminismus, öffentlichen Raum, Gentrifizierung, Theorie und Praxis. Als essayistisches Diskurstheater inszeniert, bricht der Film immer wieder bewusst in unterschiedliche Richtungen aus und stellt mehr Fragen, als dass er Antworten geben will.

Sonntag, 08. April, 20:00 Uhr
Sonntag, 15. April, 21:00 Uhr

Dokumentarfilmsalon auf St. Pauli: Pizza in Auschwitz

IL, 2008, 65 min, OmU, digital

Regie: Moshe Zimerman

Dani Chanoch hat fünf Konzentrationslager, einen Todesmarsch und drei Herzinfarkte überlebt. Eine letzte große Reise soll ihn nun noch einmal zu den Schauplätzen seiner Vergangenheit führen. Begleitet wird er dabei von seinen beiden Kindern und dem israelischen Filmemacher Moshe Zimerman. Es entsteht ein persönlicher und oft humorvoller Film darüber, wie unterschiedlich die Generationen mit der Shoah umgehen.
Bar und Salon ab 18:30 Uhr geöffnet. Eintritt auf freiwilliger Spendenbasis. Näheres unter: www.dokumentarfilmsalon.org

Dienstag, 10. April, 20:00 Uhr

Hörbarkonzert: Arma Agharta, Soundperformer aus Litauen

www.hoerbar-ev.de

Mittwoch, 11. April, 21:00 Uhr
H├Ârbar

Sand und Blut

15. Dokumentarfilmwoche Hamburg

AT, 2017, 90 min, Arabisches OmU, digital

Regie: Matthias Krepp, Angelika Spangel

Auf Nachrichtenseiten, Videoplattformen und in Social-Media-Timelines sind sie allgegenwärtig: bewegte Bilder von den aktuellen Kriegen und Konflikten weltweit. So können sich westliche Zuschauer*innen durch "authentische" Aufnahmen aus den Krisengebieten klicken, während Geflüchtete sich die physische Zerstörung ihrer Heimat in der Endlosschleife auf YouTube ansehen können. Angelika Spangel und Matthias Krepp kombinieren diese Bilder - aufgezeichnet von Aktivist*innen, Kämpfer*innen und Zivilist*innen - mit persönlichen Interviews von Menschen, die aus dem Irak und Syrien nach Österreich geflüchtet sind, und setzten sie so in Kontext zu den individuellen Schicksalen. Derart nähert sich "Sand und Blut" den komplexen Entwicklungen der aktuellen Konflikte, ohne einen unmöglichen Anspruch auf Vollständigkeit. Und demonstriert gleichzeitig gekonnt, was wir immer wieder gern im Unterbewussten versenken: dass auch große Konflikte sich aus kleinen Situationen und Einzelschicksalen zusammensetzen.

Hamburg-Premiere, zu Gast sind Matthias Krepp und Angelika Spangel

www.dokfilmwoche.com

Donnerstag, 12. April, 19:00 Uhr

Double Feature: Titan und Derniers Jours a Shibati

15. Dokumentarfilmwoche Hamburg

82 min

Titan
D 2017, 23 Min., Französisches OmeU, digital, Regie: Johannes Frese
Le Port auf La Réunion. Einige Jungen haben die Kamera übernommen und filmen, was sie sehen: Wohnblöcke, Mädchen, Polizeiwagen. Der Filmemacher versucht, sie zu interviewen. Später lernt er eine der Familien kennen und erzählt eine Geschichte über soziale Ungerechtigkeit und toxische Verhaltensmuster an einem Ort, der wenig Ausweg bietet.

Hamburg-Premiere, zu Gast ist Johannes Frese

Derniers Jours a Shibati
F 2017, 59 Min., Mandarin OmeU, digital, Regie: Hendrick Dusollier
Was er denn filmt, wird Dusollier gefragt, während er mit seiner Kamera leicht verloren durch das Straßengewirr von Shibati, einem vom Abriss bedrohten Altstadtviertel Chongqings, driftet. Chinesisch spricht er kaum, doch er trifft den jungen Zhou Hong, der ihn durch die engen Gassen führt, den geselligen Friseur Lo, die Müllsammlerin Xue Lian, die ihm ihre Sammlung an gefundenen Schätzen zeigt. Von persönlichen Erlebnissen und dem Zufall geleitet wird das Leben in einer sich wandelnden Welt erfahrbar.

Deutschland-Premiere

www.dokfilmwoche.com

Donnerstag, 12. April, 21:30 Uhr

Retrospektive Travis Wilkerson: An Injury to One

15. Dokumentarfilmwoche Hamburg

USA, 2001, 53 min, OV, digital

Regie: Travis Wilkerson

"An Injury to One is an Injury to All", so lautet die Parole der Gewerkschaft Industrial Workers of the World. Und ebenso wie die Gewerkschafter, so klagt auch Wilkerson in seinem Film die durch Industrialisierung und Ausbeutung zugefügten Wunden an. Der Mord an Gewerkschaftsführer Frank Little wird mit den Verwüstungen verknüpft, die die Anaconda Copper Mining Company in Butte, Montana, hinterlassen hat. Die Rekonstruktion um Littles Tod wird so zur melancholischen Betrachtung eines geschundenen Ortes.
Mit einem stark ausgeprägten Bewusstsein für das Formale kombiniert der Film Archivmaterial, poetische 16mm-Landschaftsaufnahmen und alte Arbeiterlieder. Letztere kommen nur in Textform vor, der Gesang der Minenarbeiter ist lange verstummt. Der Einzige, der seine Stimme erhebt, ist Wilkerson. Zornig und unbeirrbar zugleich entfaltet er die Zusammenhänge, aus denen er letztlich die Untrennbarkeit von Politik und Montage herleitet und dabei mit der filmischen Form politischen Wandel erzwingen will.

zu Gast ist Travis Wilkerson

www.dokfilmwoche.com

Freitag, 13. April, 19:00 Uhr

Retrospektive Travis Wilkerson: Machine Gun or Typewriter?

15. Dokumentarfilmwoche Hamburg

USA, 2015, 71 min, OV, digital

Regie: Travis Wilkerson

Der einsame Moderator eines Piratenradiosenders spricht zu einer verschollenen Liebe in die Nacht hinein. Eigentlich dachte er, dass ihm niemand zuhören würde. Er wollte sich nur weiterhin politisch fühlen, nachdem er sich aus der aktiven Bewegung zurückgezogen hat. So sinniert er darüber, ob die Schreibmaschine oder das Gewehr das bessere Mittel sei, die Welt zu verändern.
Seine Stimme leitet uns durch die Straßen von Los Angeles, führt uns zu Orten seiner Erzählung und reflektiert seinen formativen, politischen Diskurs zwischen Anarchie, Widerstand und Aktivismus. Bilder aus dem Vietnamkrieg mischen sich kollagenhaft mit denen von Polizeiblockaden der Occupy-Proteste und Exkursen zur deutschen RAF, während die Narration dem wohl klassischsten Motiv des Noirs folgt: der vermissten Geliebten. Wilkerson selbst nimmt hier versteckt hinter seinem Mikrofon die Rolle des Moderators ein und greift dabei im Sinne des Agitprop Themen der systematischen Diskriminierung, des Klassenkampfs und autoritärer Gewalt auf.

Hamburg-Premiere, zu Gast ist Travis Wilkerson

www.dokfilmwoche.com

Freitag, 13. April, 21:30 Uhr

Kurzfilmprogramm "Topographien"

15. Dokumentarfilmwoche Hamburg

83 min

Imperial Valley (Cultivated Run-Off)
D/AT 2018, 14 Min., ohne Dialog, digital, Regie: Lukas Marxt
Im Südosten Kaliforniens zwischen dem Saltonsee und der mexikanischen Grenze liegt das Imperial Valley. Eine trockene, lebensfeindliche Wüstenlandschaft, die durch moderne Bewässerungsanlagen zu einer bedeutenden landwirtschaftlichen Region umgestaltet wurde. Die ökologischen Kosten dieses Eingriffs lassen sich leicht erkennen, während zwischen den kargen Sandbergen Wasserbecken, Kanäle und Rohrsysteme irreal anmutende geometrische Formen bilden. Im rasanten Drohnenflug erkunden wir die Landschaft, die von menschlichen Eingriffen im wahrsten Sinne gezeichnet ist und doch ohne Leben erscheint. Der unheilvolle Elektrosound deutet es an - die dystopische Zukunft ist längst Gegenwart.

Hamburg-Premiere

La Sombra de un Dios
AT/D/MEX 2017, 20 Min., Spanisches OmeU, digital, Regie: Bernhard Hetzenauer Unaufgeregt erzählt Chon, ein Angehöriger des Volks der Huicholen, von einem tödlichen Drama, das sich hier in den 80er Jahren ereignete. Sein Cousin erklärte sich nach einem gemeinsamen Peyotekonsum zum Gott und ging fortan mit blutiger Gewalt gegen jede*n Zweifler*in vor. In ruhigen auf schwarz-weißem 16mm-Material eingefangenen Bildern sehen wir sein stummes Gesicht, während er von den erschütternden Entwicklungen spricht; dazwischen Bergketten am Horizont, über die er geflohen ist, die einfachen Hütten in denen die Gruppe lebt - ein Ort, der seine eigenen Geister zu besitzen scheint.

Hamburg-Premiere, zu Gast ist Bernhard Hetzenauer

Landschaften des Krieges, Landschaften des Friedens
D/SCG 2017, 49 Min., ohne Dialog, digital, Regie: Aron Sekelj
Wie zeichnen sich militärische Konflikte in die Landschaft ein? Wie wird das Land um uns zum Träger von Erinnerungen und Ereignissen? Sekeljs Arbeit begibt sich auf die Suche nach bestehenden und verschwundenen materiellen Spuren des Krieges im Kosovo. Menschen sind nicht zu sehen, nur die Konsequenzen ihres Handelns an den Orten des Geschehens.
Die drei Kapitel des Films betrachten je einen chronologischen Ausschnitt dieser Topographie: von den Videobildern der 90er Jahre, welche die direkten Auswirkungen des Kampfes zeigen, die sich wie Wunden in die Landschaft eingraben, zu den scheinbar friedlichen Bildern aus dem Heute, in denen Narben und Verwucherungen vom Trauern und Erinnern berichten, bis zu einer scheinbar unwirklichen Zukunft.

Hamburg-Premiere, zu Gast ist Aron Sekelj

www.dokfilmwoche.com

Samstag, 14. April, 18:30 Uhr

Lass den Sommer nie wieder kommen

15. Dokumentarfilmwoche Hamburg

D, 2017, 202 min, Georgisches OmeU, digital

Regie: Alexandre Koberidze

Dieser Film ist ein Solitär und eine der herausforderndsten und gleichzeitig beglückendsten Kinoarbeiten der jüngeren Filmgeschichte. Die zumeist fest kadrierte Handykamera liefert uns impressionistische Bildwelten voll scheinbarer Nebensächlichkeiten; Gesten, Blicke und Bewegungen, verbunden in einer Montage, die nur dem Kino eigen ist. Über den Plot kommt man dem Film nur wenig nahe: "Ein junger

Mann kommt in die Stadt, um bei einem Ensemble vorzutanzen. Er nimmt an illegalen Boxkämpfen teil, um Geld zu verdienen. Der Mann, den er liebt, zieht in den Krieg. Der junge Mann kehrt zurück ins Dorf." Am Ende dann der Satz, der viel eher einen Zugang liefern könnte: "Der Film interessiert sich für diese Geschichte, aber nicht weniger (wenn nicht mehr) für die Dinge, die drumherum passieren." Und diese Dinge sind so reichhaltig und voller Empathie, dass man sich gerne in den mikroskopischen Beobachtungen des Alltagslebens von Tiflis verliert. Und um mit dem (Film-)Anfang zu enden: Love has no end - a story always has. You will see now: A lovestory.

Hamburg-Premiere, zu Gast ist Alexandre Koberidze

www.dokfilmwoche.com

Samstag, 14. April, 21:00 Uhr

Retrospektive Travis Wilkerson: Who Killed Cock Robin?

15. Dokumentarfilmwoche Hamburg

USA, OV, digital, 72 min, 2005

Regie: Travis Wilkerson

"Who Killed Cock Robin" ist der zweite Film, der Travis Wilkerson in seine Heimat nach Butte, Montana, führt. Er knüpft dort an, wo "An Injury to One" aufgehört hat und füllt die leeren Landschaften mit den Menschen, die dort leben, gibt ihnen Raum, über ihre Situation zu berichten. Insbesondere durch die Kombination mit vielen Musiksequenzen entsteht so ein atmosphärisches Stimmungsbild, das sich vor allem mit den Konsequenzen des Niedergangs der Bergbauindustrie für die Einwohner auseinandersetzt.
Die Ausweglosigkeit manifestiert sich aber nicht nur musikalisch, sondern wird auch durch die Einbeziehung der schwankenden Kupferpreise untermauert. Die Funktionsweisen des Kapitalismus haben am Ende keine Auswirkung auf seine kleinsten Rädchen, so vergessen wie die einstige Boomtown sind auch ihre Bewohner. Die Dramatisierung von dokumentarischem Material unterstreicht diese Diskrepanz, die aus der Lebenssituation und der verklärten Erzählung über die Goldenen Zeiten entsteht.

zu Gast ist Travis Wilkerson

www.dokfilmwoche.com

Sonntag, 15. April, 14:00 Uhr

Also Known as Jihadi

15. Dokumentarfilmwoche Hamburg

F, 2017, 102 min, Französisches OmeU, digital

Regie: Eric Baudelaire

"Also Known as Jihadi" erzählt von der möglichen Geschichte eines jungen französischen Mannes und seiner Reise von Paris nach Syrien. Wieder in Frankreich angekommen wird er aufgrund seiner vermeintlichen Zugehörigkeit zum sogenannten Islamischen Staat inhaftiert. Während polizeiliche und gerichtliche Dokumente - Zeugnisse staatlicher Justiz und Überwachung - das Narrativ des Films bilden, zeigt die Bildebene nicht das Subjekt, sondern das, was es auf seiner Reise gesehen haben könnte. Baudelaire testet in Anlehnung an Masao Adachis "A.K.A. Serial Killer" (1969) dessen aus der marxistischen Filmtheorie stammende Landschaftstheorie und untersucht Architektur und Landschaften auf ihr Potenzial, etwas über einen politischen und sozialen Kontext aussagen zu können. Dabei ist die Kamera nicht dogmatisch, sondern unsicher, fragend und suchend in Bewegung, bedacht, die Ambivalenz und Komplexität eines Phänomens, welches staatliche Strukturen nicht greifen können, in den Vordergrund zu rücken.

Hamburg-Premiere

www.dokfilmwoche.com

Sonntag, 15. April, 16:30 Uhr

Whatever Happened to Gelitin (Gast: Angela Christlieb)

AT, 2016, 120 min, DCP

Regie: Angela Christlieb

Galerist Salvatore Viviano und Regisseurin Angela Christlieb begeben sich auf die Suche nach dem verschollenen österreichischen Künstlerkollektiv Gelitin, das seit den 1990er-Jahren immer wieder in extravaganten Aktionen und Installationen die Grenzen des "guten Geschmacks" zerschmettert. Interviews mit alten Weggefährt*innen und Künstlerfreund*innen in den USA, Europa und Asien werden mit anarchisch montiertem Gelitin-Archivmaterial verknüpft: intensiv, transgressiv, experimentell, grellbunt, witzig und virulent.

Dienstag, 17. April, 20:00 Uhr

Hörbar

Zentraler Treffpunkt für Konsumenten und Produzenten experimenteller Musik, jeden Mittwoch.

www.hoerbar-ev.de

Mittwoch, 18. April, 21:00 Uhr
Mittwoch, 25. April, 21:00 Uhr
H├Ârbar

Es

BRD, 1965/66, 86 min, 35mm

Regie: Ulrich Schamoni
Darsteller: Sabine Sinjen, Bruno Dietrich

Ein Paar ohne Trauschein: Sie ist 22 und technische Zeichnerin. Er arbeitet für einen Grundstücksmakler, vor allem aber an seiner Karriere. Als Hilke schwanger wird, traut sie sich nicht, es Manfred zu sagen. Stattdessen sucht sie Rat bei ihren Freundinnen, die sie bei einem medikamentösen Eingriff unterstützen - ohne Erfolg. Einen Schwangerschaftsabbruch verweigern mehrere Ärzte (§ 218). Als Manfred von Hilkes "Umständen" erfährt, ist sie bereits zu einem "Engelmacher" unterwegs.

Samstag, 21. April, 20:00 Uhr

Arab Filmclub: Morgan Ahmed Morgan

EG, 2007, 110 min, OmdU, digital

Regie: Ali Idris

Ein Geschäftsmann glaubt, alles mit Geld kaufen zu können - auch einen Hochschulabschluss. Eine Kinosatire mit dem ägyptischen Publikumsliebling Abdel Imam.

Wir laden ein zum arabischen Filmclub, einer Plattform für Filmerlebnis, Austausch und Kommunikation, Der Eintritt ist frei.
Gefördert vom Fonds "Flüchtlinge & Ehrenamt" in der BürgerStiftung Hamburg

Sonntag, 22. April, 15:00 Uhr

Nicht fummeln, Liebling

BRD, 1970, 87 min, DCP

Regie: May Spils
Darsteller: Werner Enke, Gila von Weitershausen

Charlie fliegt zu Hause raus, er zieht zu Harry in eine Kommune, die einen Anschlag plant. Charlie wird verhaftet, kann sich befreien, trifft im Kaufhaus seine Freundin, als die Bombe hochgehen soll usw. usw. Nach "Zur Sache Schätzchen" der zweite Streich von May Spils und Werner Enke.

Sonntag, 22. April, 18:00 Uhr

Dokumentarfilmsalon auf St. Pauli: #uploading_holocaust

D/AT/IL, 2016, 70 min, OmU, digital

Regie: Sagi Bornstein & Udi Nir

Sieben Tage, vier Konzentrationslager, drei Massengräber, zwei Gettos, 14 Gedenk- Zeremonien, 200 Teenager in einem Hotel - jedes Jahr reisen rund 30.000 israelische Schüler mit ihren Geschichtslehrern nach Polen, um die Erinnerung an die Geschichte der Juden in Europa und den Holocaust lebendig zu halten. In den dabei entstehenden Youtube-Videos teilen die Schüler sehr private, emotionale Momente und versuchen in ihren unverstellten Aussagen, das Erlebte zu begreifen. #uploading_holocaust besteht ausschließlich aus diesem Material und zeigt, wie sich die Erinnerung an den Holocaust im digitalen Zeitalter verändert.

Bar und Salon ab 18:30 Uhr geöffnet. Eintritt auf freiwilliger Spendenbasis. Näheres unter:

www.dokumentarfilmsalon.org

Dienstag, 24. April, 20:00 Uhr

Hörbar Dokumentarfilm: Heart Beat Ear Drum

US, 2015, 75 min, OF, digital

Regie: Ellen Zweig

Porträt des Dichters und Pioniers der Industrial Music Z'EV (USA), der im Dezember 2017 starb. Die Hörbar erlebte ihn zweimal bei Konzerten, er zauberte auf selbstgebauten Schlaginstrumenten mit unfassbarer Leidenschaft komplexe, melodische Klangskulpturen in den Raum, obwohl er "nur" wie ein Berserker trommelte. Ellen Zweig zeigt seine Reise an den Rand der Kunst und in die Tiefen des Herzens. Sie spricht mit Z'EV, mit Künstlern, die ihn begleiteten, mit Kuratoren und jungen Menschen, die seine Musik gehört oder seine Texte gelesen haben.

www.hoerbar-ev.de

Freitag, 27. April, 21:30 Uhr
H├Ârbar

68er Dok- und Kurzfilm-Special, Programm 1: Demos und rote Fahnen aus Hamburg

87 min

"Polizeihochhaus" von Günther Westphal
"Von der Revolte zur Revolution oder warum die Revolution erst morgen stattfindet" von Kurt Rosenthal und anderen
"Rote Fahnen" von Walther Seidler

Samstag, 28. April, 16:00 Uhr reservieren

68er Dok- und Kurzfilm-Special, Programm 2: Anti-Springer-Kampagne in Berlin (Gast: Helke Sander)

68 min

"Brecht die Macht der Manipulateure" von Helke Sander
"Ihre Zeitungen" von Harun Farocki

Samstag, 28. April, 18:00 Uhr reservieren

Symposium: Filme der 68er - Nachrichten aus der Antike?

mit Christian Bau und Helke Sander

Zwei Filmemacher*innen, Ende der 60er Jahre Filmstudenten in Berlin und Hamburg, im Gespräch über die Sichtweisen (nicht nur) zum Film in dieser Zeit. Über Gemeinsamkeiten und Differenzen, Motive und Hintergründe und das, was sich daraus entwickelt hat. Und vielleicht können sie uns ja die Frage beantworten, ob und wie wir heute (nicht nur) beim Filmemachen daran anknüpfen können.

Samstag, 28. April, 20:00 Uhr reservieren

Fete: Drink-In auf 68

Wir feiern mit Freund*innen, Kolleg*innen, Förder*innen und Gästen, ganz gleich, ob sie 1968 selbst erlebt oder später davon gehört haben. Willkommen ist die Freude, diese Filme wieder zu sehen oder ganz neu zu entdecken. Also, stoßt mit uns an: Ein Hoch auf 68!

Samstag, 28. April, 22:00 Uhr reservieren

68er Dok- und Kurzfilm-Special, Programm 3: Agitprop-Filme der Berliner dffb-Studenten (Gast: Helke Sander)

70 min

"Die Worte des Vorsitzenden" von Harun Farocki
"White Christmas" von Harun Farocki
"Nicht löschbares Feuer" von Harun Farocki
"Terror auch im Westen" von Thomas Giefer
"De Opresso Liber" von Carlos Bustamante
"Demonstrantenselbstschutz" von Dietrich Schubert

Sonntag, 29. April, 16:00 Uhr reservieren

68er Dok- und Kurzfilm-Special, Programm 4: Lust auf Filmexperimente in Hamburg

70 min

"Anfangszeiten" von Christian Bau
"Der warme Punkt" von Thomas Struck
"Die Anzeige" von Bernd Upnmoor
"Horten" von Barbara Langhans
"Programmhinweise" von Christiane Gehner
"After Action" von Hellmuth Costard

Sonntag, 29. April, 18:00 Uhr reservieren