B-Movie - das Kino auf St. Pauli
ohne Werbung, im Hinterhof, in 2D, mit Stereo-Ton

Unser Programm im August 2022

Programmbild August 2022: Sommerpause im Kino? Jein!

Sommerpause im Kino? Jein!

Unser Kino bleibt im August geschlossen. Wir können's aber nicht lassen und machen Kino an anderen Orten in der Stadt.

Sommer im Hof im HausDrei

Wir sind zum dritten Mal Open Air zu Gast im schönen Hof vom HausDrei. Dieses wunderbare Stadtteilkulturzentrum in Altona ist übrigens noch älter als wir und feiert gerade das 40-jährige Jubiläum. Wir zeigen drei Filme: Sommer auf Balkonien präsentiert der Dokumentarfilmsalon auf St. Pauli, wir zeigen zwei Hamburg-Premieren mit viel Musik. Zum dritten Film dürfen wir euch noch nicht viel verraten, werden aber rechtzeitig das Geheimnis lüften. Ein kleiner Hint: Es geht um eine über Jahrzehnte vernachlässigte Musikkultur Deutschlands und wie schwer es manchmal ist, hier "heimisch" zu werden. Haltet euch also Mittwoch, den 7. September, frei.

Das HausDrei möchte Kultur für alle möglich machen! Deshalb bieten sie für ihr Sommerprogramm ein solidarisches Preissystem mit der Staffelung von 2 Euro (Mini), 5 Euro (Midi) und 8 Euro (Maxi) an. Bei allen Veranstaltungen zahlt also jede Person den Preis, den sie zahlen kann oder möchte. Wer das Maxi-Ticket kauft ermöglicht damit anderen Menschen, auch für wenig Geld am Kulturleben teilzunehmen und unterstützt zusätzlich die Arbeit vom HausDrei.

Reservierung & Tickets: https://evha.haus-drei.de/events
oder Tickervorverkauf im HausDrei: mittwochs 15 bis 18 Uhr


Sommernachtskino mit Stummfilmen und Live-Musik im Museum für Hamburgische Geschichte

Zum dritten Mal sind wir mit dem Metropolis Kino und dem 3001 wieder zu Gast im schönen Innenhof des Museums, der mit seinem Glasdach auch bei Regen "trockenes" Kino bietet. An 10 Tagen, vom 24. August bis zum 2. September, zeigen wir Stummfilme, Klassiker und neue Entdeckungen der Stummfilm-Ära ebenso wie experimentelle Filme, fast alle von Musikern live begleitet — mit einer Ausnahme: Thomas Struck, legendärer Filmemacher aus Hamburgs Film-Coop-Zeiten präsentiert den Film über seinen Vater Fide Struck, einen Hamburger Fotografen in den 30er und 40er Jahren.

Wir zeigen den Klassiker "Varieté" von E. A. Dupont, der zu Beginn auf St. Pauli und im Artistenmilieu spielt. Dazu stellen wir zwei neu restaurierte Filme von und mit Frauen vor, die im Stummfilm auch hinter der Kamera als Regisseurin und Produzentin sehr präsent waren. Luise Fleck und Ellen Richter, beide ursprünglich aus Österreich, machten auch im deutschen Stummfilm Karriere. Luise Fleck gehört als Regisseurin und Produzentin zu den ganz frühen Pionierinnen des Kinos, Ellen Richter wurde als Schauspielerin "zur Marke", die ihre Filme ab den 20er Jahren zusammen mit ihrem Mann selbst produzierte.

Karten jeweils 15 €, 10 € ermäßigt
Reservierung / Kartenverkauf ab dem 1. August: online unter www.metropoliskino.de und im Metropoliskino, Kleine Theaterstraße 10, täglich von 17:30 bis 21:00 Uhr

Freitag,
19.08.
20:30
Mittwoch,
24.08.
21:00
Donnerstag,
25.08.
21:00
Freitag,
26.08.
21:00
Samstag,
27.08.
21:00
Sonntag,
28.08.
21:00
Montag,
29.08.
21:00
Dienstag,
30.08.
21:00
Mittwoch,
31.08.
21:00
Donnerstag,
01.09.
21:00
Freitag,
02.09.
20:30
21:00

Die Veranstaltungen im Einzelnen

I Got Knocked Down (Hamburg-Premiere)

Sommer im Hof im HausDrei

UK, 2021, 87 Min., OmeU, digital

Regie: Sophie Robinson

Dunstan Bruce ist 59, adrett gekleidet, lebt mit seinem Dackel in einem chicen Haus in London und ist frustriert. 1997 landete er mit seiner Anarcho Punkband Chumbwamba einen, aber auch nur einen Welthit: Tubthumping. Der Geist radikaler Tage holt ihn ein, an welcher Stelle ist er bloß falsch abgebogen? War der Trip in die Hölle der Musikindustrie vergebens? Duncan räumt auf ... mit seinem Leben, seiner Band und fragt, ob es im Alter Widerstand geben kann. Er steht wieder auf, no more nostalgia, und geht auf Tour mit seiner neuen Band: Interrobang?!

Trailer

Tickets

Freitag, 19. August, 20:30 Uhr

Das Metropolis Kino präsentiert: Brüder

Sommernachtskino im Museum für Hamburgische Geschichte

DE, 1929, 81 Min., digital

Regie: Werner Hochbaum

Mit Hafenarbeitern, Arbeiterfrauen, Kinder und anderen Menschen aus dem Volk wird der Große Hafenarbeiterstreik 1896/97 rekonstruiert. Heute gilt Werner Hochbaums Spielfilmdebüt als Klassiker des proletarischen Kinos und als einer der bedeutendsten Hamburg-Filme überhaupt.

Musikalische Begleitung: Gitarrenorchester Gilbert Couché, Einführung: Jörg Schöning

Einlass 20:00 Uhr

https://shmh.de/de/sommernachtskino-brueder

Mittwoch, 24. August, 21:00 Uhr

Das B-Movie präsentiert: Varieté

Sommernachtskino im Museum für Hamburgische Geschichte

D, 1925, 95 Min., DCP

Regie: E. A. Dupont
Darsteller*innen: Emil Jannings, Lya de Putti, Warwick Ward

"Boss" Huller, einst ein berühmter Trapez-Artist, kann nach einem Unfall nicht mehr auftreten. Als Schaubudenbesitzer fristet er mit seiner Familie ein Leben auf St. Pauli. Matrosen bringen eines Tages Berta-Marie, ein junges, hübsches Mädchen, zu ihm. Er engagiert sie als Tänzerin, kann sich ihren Reizen nicht entziehen und verlässt ihretwegen seine Frau. Der berühmte Artist Artinelli sucht für ein Engagement im Berliner Wintergarten einen Fänger, Boss und Berta-Marie treten in einem waghalsigen Trapezakt mit ihm auf. Als Trio feiern sie große Erfolge, und Berta-Marie lässt sich von dem attraktiven Artinelli gern verführen. Als Boss davon davon erfährt, rast er vor Wut und Eifersucht ...

E. A. Dupont (1891-1956), berühmter Stummfilm-Regisseur mit einer Vorliebe für das Zirkus- und Varieté-Milieu, verfilmte 1925 das Buch "Der Eid des Stephan Huller" von Felix Holländer (1912). Mit Emil Jannings und Lya de Putti in den Hauptrollen wurde der Film ein großer internationaler Erfolg. Dazu trugen die spektakulären Aufnahmen von Karl Freund bei, der mit seiner entfesselten Kamera die Trapez-Szenen mit dem Salto mortale rasant inszenierte.

Musikalische Begleitung: F. K. Raeithel aka Istari Lasterfahrer und Pia Abzieher (Jojodefek, u.a.), sie bringen Synthesizer, fieldrecordings und Elektroakustik zusammen.

Einlass 20:00 Uhr

https://shmh.de/de/sommernachtskino-variete

Donnerstag, 25. August, 21:00 Uhr

Das Metropolis Kino präsentiert: Erde (Semlja)

Sommernachtskino im Museum für Hamburgische Geschichte

Ukraine, 1930, 79 Min.

Regie: Oleksandr Dovzhenko

Eine poetische Filmgeschichte über die Kollektivierung in der Ukraine in den späten 1920er Jahren, die Gründung der ersten Kolchosen, Klassenfeindschaft ... Die Erde ist der berühmteste ukrainische Film, ein Meisterwerk, der Film wurde neun Tage nach seiner Premiere in der UdSSR verboten und gab Anlass zu kontroversen Interpretationen.

Musikalische Begleitung: Hans-Christoph Hartmann (Saxofon)

Einlass 20:00 Uhr

https://shmh.de/de/sommernachtskino-erde

Freitag, 26. August, 21:00 Uhr

Das Metropolis präsentiert: Old Gold - Fides Foto Koffer

Sommernachtskino im Museum für Hamburgische Geschichte

D, 2020, 90 Min., digital

Regie: Thomas Struck

Fide Struck (1901-1985) gehört zum Umfeld der Arbeiterfotografen. Zwischen 1930 und 1940 fotografiert er vor allem in Hamburg und Berlin. 1941 packte er 3000 Negative in einen Koffer, der erst 2015 wieder geöffnet wurde.

Live vorgetragen von Thomas Struck

Einlass 20:00 Uhr

https://shmh.de/de/sommernachtskino-old-gold

Samstag, 27. August, 21:00 Uhr

Das B-Movie präsentiert: Moral

Sommernachtskino im Museum für Hamburgische Geschichte

D, 1928, 81 Min.

Regie: Willi Wolff
Darsteller*innen: Ellen Richter, Ralph Artur Roberts, Jakob Tiedke

"Moral ist, wenn man trotzdem lacht", gilt hier für Ninon (Ellen Richter), die als glamouröser Revuestar aus Berlin in einer Kleinstadt gastiert. Dort verstößt sie heftig gegen die Moral ehrenwerter Herren, allesamt Mitglieder in einem Sittlichkeitsverein. Doch geht es um sie selbst, dann lockern sich schon mal die Sitten ... Ninon führt sie an der Nase herum und ertappt sie "in flagranti", wie sie für einen erhofften Flirt ihre Moral verraten. Und natürlich hat Ellen Richter in dieser spritzigen Komödie die Lacher auf ihrer Seite.

Ellen Richter, von der traditionellen Filmgeschichte gern übersehene Diva der Stummfilmzeit, drehte von 1913 bis 1933 rund 70 Filme. Sie entstanden zusammen mit ihrem Mann und Regisseur Willi Wolff seit 1920 in der Ellen Richter Film GmbH. Produziert wurden Genrefilme für ein breites Publikum, viele Abenteuerfilme, aber auch Kriminalfilme und Komödien. Zu letzteren gehört "Moral", wohl die erfolgreichste Komödie von Ludwig Thoma (1908), die das das Duo Richter-Wolff verfilmte, in der Hauptrolle natürlich Ellen Richter. Sie schaffte den Sprung in die Tonfilm-Ära, erhielt aber als Jüdin 1933 ein Berufsverbot durch die Nationalsozialisten. Sie ging ins Exil und geriet in Vergessenheit. "Moral" konnte als einer ihrer wenigen Filme in den letzten Jahren restauriert werden.

Musikalische Begleitung: Sabine Zimmer, Pianistin aus Berlin, spezialisiert auf improvisierende Stummfilm-Vertonungen

Einlass 20:00 Uhr

https://shmh.de/de/sommernachtskino-moral-280822

Sonntag, 28. August, 21:00 Uhr

Das 3001 Kino präsentiert: Illusions of Silence - Amerikanisches Experimentalkino

Sommernachtskino im Museum für Hamburgische Geschichte

Filme von Maya Deren: Meshes of the Afternoon (USA 1943) und At Land (1944)
In Derens frühen Stummfilmen vervielfältigt sich die Protagonistin und bewegt sich durch traumartige Räume und Landschaften.

Apparent Motion von Paul Sharits (USA 1975)
Durch experimentelle Entwicklungstechniken wird die Textur des Filmmaterials selbst zu einem illusionistischen Organismus.

Musikalische Begleitung: David Wallraf (Elektronik) zu Maya Derens Filmen, Ansgar Wilken (Percussion) zu Apparent Motion

Einlass 20:00 Uhr

https://shmh.de/de/sommernachtskino-illusions-of-silence

Montag, 29. August, 21:00 Uhr

Das B-Movie präsentiert: Mädchen am Kreuz

Sommernachtskino im Museum für Hamburgische Geschichte

D, 1929, 77 Min.

Regie: Louise und Jakob Fleck
Darsteller*innen: Evelyn Holt, Fritz Odemar, Valerie Boothby, Wolfgang Zilzer

Marie, eine junge Studentin, genießt unbeschwert die Ferien mit ihrem Bräutigam und Freund*innen. "In temporeichen, rhythmischen Schnittfolgen ziehen Louise und Jakob Fleck ihr Publikum hinein in eine unbeschwerte, urbane Liebeskomödie, die sich mit einer einzigen Szene in ein Melodram um sexuelle Gewalt, Scham und Täter-Opfer-Umkehr verwandelt. Von der zeitgenössischen Kritik aufgrund der ungewöhnlichen Figurencharakterisierung abgetan, besticht diese Wiederentdeckung aus Flecks Schaffen durch technische Meisterhaftigkeit, vor allem aber durch ihre ungewöhnlich offene Thematisierung sexueller Gewalt und der Ausweglosigkeit eines Opfers, das sich von einer in fixen Moralvorstellungen verhafteten Gesellschaft kein Verständnis erhoffen kann." (Anna Dobringer, Viennale 2019)

Louise Fleck (1873-1950) ist eine der Pionierinnen des Kinos, sie war als Produzentin, Regisseurin und Drehbuchautorin an rund 150 Filmen beteiligt. Sie ist die erste Regisseurin Österreichs und nach Alice Guy die zweite weltweit. Schon um die Jahrhundertwende arbeitete sie im Wiener Panoptikum ihres Vaters, der seit 1896 auch Filme zeigte. Sie machte sich 1910 selbstständig und stellte Dokumentar- und Spielfilme in der eigenen Produktionsfirma her, zu der auch Ateliers gehörten. Es entstanden Genrefilme, vor allem Melodramen sowie Komödien, Kriminal- und Operettenfilme. Mit ihrem Mann Jakob Fleck ging sie 1926 nach Deutschland, hier entstanden rund 40 Filme. 1933 kehrten beide nach Österreich zurück, Jakob Fleck erhielt als Jude nach dem Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich ein Arbeitsverbot und ging mit seiner Frau nach Shanghai ins Exil. Nach Kriegsende kehrten sie nach Wien zurück, konnten aber an die alten Erfolge nicht mehr anknüpfen. Louise Fleck geriet in Vergessenheit, bis sie als Filmpionierin wieder entdeckt wurde und einige ihrer Filme restauriert werden konnten.

Musikalische Begleitung: Inou Ki Endo aka Shilla Strelka, Wien, spezialisiert auf zeitgenössische Formen experimenteller, elektronischer Musik

Einlass 20:00 Uhr

https://shmh.de/de/sommernachtskino-maedchen-am-kreuz

Dienstag, 30. August, 21:00 Uhr

Das Metropolis präsentiert: Die weisse Wüste

Sommernachtskino im Museum für Hamburgische Geschichte

DE, 1922, 100 Min.

Regie: Ernst Wendt

Der im Nordmeer spielende Abenteuerfilm der John-Hagenbeck-Raubtier-Filmserie wird durch die Robben, Eisbären, Polarfüchse, Renntiere usw. aus Hagenbecks Tierpark zu einer Sehenswürdigkeit.

Farbig viragierte, vom Filmmuseum München rekonstruierte Fassung

Musikalische Begleitung: Goran Lazarevic (Akkordeon) und Krischa Weber (Cello, Singende Säge), Einführung: Jörg Schöning

Einlass 20:00 Uhr

https://shmh.de/de/sommernachtskino-weisse-wueste

Mittwoch, 31. August, 21:00 Uhr

Das Metropolis präsentiert: Himmelskibet (Das Himmelsschiff)

Sommernachtskino im Museum für Hamburgische Geschichte

DK, 1918, 81 Min.

Regie: Holger-Madsen

Die Besatzung eines Raumschiffs begibt sich auf die Reise zum Mars. Sie begegnet dort einer Hochkultur aus Pazifisten und Vegetariern.

Musikalische Begleitung: Adventure Orchestra of Interplanetary LoveLoveLove, Georgia Ch. Hoppe (Klarinette/Saxofon, Minielektronik, Peter Imig (Bass, Violine, Theremin)

https://shmh.de/de/sommernachtskino-himmelskibet-himmelsschiff

Donnerstag, 01. September, 21:00 Uhr

The Balcony Movie

Sommer im Hof im HausDrei

PL, 2021, 100 Min., OmU

Regie: Paweł Łoziński

"Warum in die Ferne schweifen?" denkt sich Regisseur Paweł Łoziński und stellt seine Kamera auf dem heimischen Balkon in Warschau auf.

Von dort aus sucht er das Gespräch mit den Passant:innen. Es entsteht ein liebenswerter Film voller kurzer, aber oft humorvoller oder gar philosophischer Begegnungen.

In Kooperation mit dem Dokumentarfilmsalon auf St. Pauli im B-Movie

Tickets

Freitag, 02. September, 20:30 Uhr

Das Metropolis präsentiert: Harakiri

Sommernachtskino im Museum für Hamburgische Geschichte

DE, 1919, 80 Min.

Regie: Fritz Lang

Die junge, japanische Waise O-Take-San verliebt sich in einen Europäer. Sie erwartet sehnsüchtig dessen Rückkehr nach Japan. Doch bald glaubt sie sich betrogen. Die Darstellung der brutalen Missachtung fremder Empfindung und Kultur sorgt für einen unüberhörbaren, antikolonialistischen Unterton.
Der Film wurde im September und Oktober 1919 in Hamburg-Stellingen in Hagenbecks Tierpark und in Woltersdorf gedreht.

Musikalische Begleitung: Marie-Luise Bolte, Klavier

https://shmh.de/de/sommernachtskino-harakiri

Freitag, 02. September, 21:00 Uhr