B-Movie - das Kino auf St. Pauli
ohne Werbung, im Hinterhof, in 2D, mit Stereo-Ton

Unser Programm im Dezember 2019

Dezember 2019: Richard Linklater

Richard Linklater

Durch das Lesen von Büchern über Filmemacher*innen und das gemeinsame Schauen und Programmieren von Filmprogrammen mit Freund*innen in Austin studierte Richard Linklater autodidaktisch das Filmemachen. 1985 gründete er gemeinsam mit Lee Daniels die "Austin Film Society", die sich seitdem dem unabhängigen Filmemachen, der Vermittlung vor allem von regionalen Independent Filmen und dem Schaffen einer technischen Infrastruktur für Filmemacher*innen in seiner selbst gewählten Heimat Austin, Texas verschreibt. Vor allem der europäische Film der Nachkriegszeit, insbesondere die französische "Nouvelle Vague", spielte für Linklater in seinen eigenen Filmen ab 1985 eine große Rolle - er wendet Techniken der Repräsentation von Entfremdung auf ein speziell regionales Konzept des "American Cinema" an, welches bereits von existentialistischen und marxistischen Strömungen beeinflusst war. Dabei arbeitet er häufig über einen längeren Zeitraum mit denselben Schauspieler*innen zusammen und greift sein filmisches Erzählen in verschiedenen Filmen erneut auf. Das Konzept des "dérive" der französischen Situationisten - das scheinbar ziellose Umherstreifen in einer Stadt währenddem die Protagonist*innen ihre ursprünglichen Motive fallen- und sich dem Zufall überlassen - ist prägendes Stilmittel in vielen Filmen von Linklater. Seine filmischen Räume bleiben offen für unerwartete Situationen, Begegnungen, philosophische Gespräche und Gedankenströme, als würden wir in das reale Leben schauen.
Dieses "Best Of" lädt ein, weitere seiner Filme zu entdecken: aktuell läuft Linklaters neuester Film "Bernadette" in den Kinos an!

"If there was a director I liked and wanted to see more films by, we'd do a retrospective."
Richard Linklater

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Das B-Movie wurde mit dem Lotte-Eisner-Preis ausgezeichnet

In Berlin wurde am 25.10. 2019 zum 20. Mal die Kinopreise des Kinematheksverbundes in Höhe von 30.000 Euro für herausragende Kinoarbeit vergeben. Mit den Preisen wird die Arbeit von Kommunalen Kinos und filmkulturellen Initiativen ebenso gewürdigt wie ihr Engagement bei der Weiterentwicklung des Kinos als Ort der Vielfalt, als kultureller Treffpunkt und Kulturgut. Der mit 6.000 Euro dotierte Spitzenpreis, der Lotte-Eisner-Preis 2019, geht an das B-Movie in Hamburg.

Das B-Movie wird seit über 30 Jahren von rund 20 Mitgliedern als Kollektiv in ehrenamtlicher Arbeit betrieben. Es kuratiert monatlich filmhistorische und aktuelle Filmprogramme mit einem Spektrum, das von experimentellen Filmen, über künstlerisch interessante Spiel- und Dokumentarfilme bis hin zu Trash-Filmen reichen kann. Das B-Movie öffnet sich in seiner Programmarbeit auch anderen kulturell engagierten Gruppen des Stadtteils, z.B. mit dem Arab Filmclub, dem Dokumentarfilmsalon auf St. Pauli, dem Kino für Kids für hörende Kinder gehörloser Eltern (CODAs), gehörlose Kinder und alle anderen und der Q-Movie-Bar.

Die Jury-Begründung:
Der Lotte-Eisner-Preis geht an ein Kino, das geprägt ist von einem leidenschaftlichen Verständnis vom Kinomachen: Es wird betrieben von einem Verein, die Anzahl der Mitglieder ist groß, das Programm wird kollektiv geplant, die tägliche Arbeit im Wechsel bewältigt, ehrenamtlich.
Die thematischen Filmreihen sind klar strukturiert, sie gehen immer über das Nächstliegende hinaus, verlieren sich aber trotzdem nicht im Überfluss. Das B-Movie stellt innerhalb der Filmgeschichte Verbindungen her, es schlägt Brücken, zettelt Vergleiche an. Neben der Filmgeschichte gibt es im B-Movie das Aktuelle. Darin steckt oft ein politischer Gedanke; so wurde ein Monat den Themen Stadtarchitektur und Gentrifizierung gewidmet, die Ereignisse des G20 hat man in diesem Zusammenhang nicht vergessen. Eine weitere, durchaus politische Entscheidung des B-Movies ist das Preiskonzept: Der Eintritt kostet 3,50 Euro oder manchmal gar nichts. Dies bietet all denen eine Alternative, die die Ticketpreise im Mainstreamkino nicht bezahlen können oder wollen.
Man kann Mitglieder des B-Movies zwar jederzeit auf Festivals treffen, wo sie neue Filme in Augenschein nehmen, andererseits behält das B-Movie aber auch frühere Phasen des Kinos im Blick. Der 35mm-Projektor im Vorführraum ist nicht bloß ein Überbleibsel, er kommt tatsächlich mehrmals im Monat zum Einsatz. Hier laufen Filme, die sonst in keiner Abspielstelle der Stadt zu sehen sind.

Wir freuen uns riesig über diese große Anerkennung unserer kollektiven, ehrenamtlichen Kinoarbeit!

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