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Unser Programm im Februar 2018

Programmbild Februar 2018: Abgedreht - Filme zu Wahnsinn, Psychiatrie und anderen Zustńnden

Abgedreht - Filme zu Wahnsinn, Psychiatrie und anderen Zuständen

Im Februar zeigen wir eine kleine Auswahl an Filmen, die den Blick in die scheinbaren Abgründe der menschlichen Seele werfen. Abgedreht, durchgeknallt, verrückt, verschroben, entgleist - dies sind nur einige der Wörter, welche die Ver-rücktheiten, Verschiebungen und das Empfinden von Realität bezeichnen. In einer Mischung aus älteren und neueren Spiel- und Dokumentarfilmen werden die Grenzen zwischen dem sogenannten "Normalen" und dem "Krankhaften" untersucht und ausgelotet. Die Verbindung zwischen Krankheit und Kunst wird hergestellt, und ihr Einfluss auf Ansätze und Methoden in der Kunsttherapie aufgezeigt. Auch die Institution bzw. Einrichtung Psychiatrie mit verschiedenen Methoden der Behandlung wird unter die Lupe genommen, Vorurteile gegenüber psychisch Kranken werden sichtbar gemacht, und nicht zuletzt kommen Betroffene bzw. Protagonist*innen selber zu Wort.

Donnerstag,
01.02.
19:00
21:00
Samstag,
03.02.
20:00
Film
22:00
Sonntag,
04.02.
18:00
Mittwoch,
07.02.
21:00
Hörbar
Donnerstag,
08.02.
19:00
Film
21:00
Samstag,
10.02.
20:00
22:00
Sonntag,
11.02.
18:00
20:00
Dienstag,
13.02.
20:00
Mittwoch,
14.02.
21:00
Hörbar
Donnerstag,
15.02.
19:00
21:00
Samstag,
17.02.
20:00
22:00
Film
23:59
Sonntag,
18.02.
18:00
20:00
Mittwoch,
21.02.
21:00
Hörbar
Donnerstag,
22.02.
19:00
21:00
Samstag,
24.02.
20:00
22:00
Sonntag,
25.02.
15:00
18:00
20:00
Dienstag,
27.02.
20:00
Mittwoch,
28.02.
20:00
Hörbar

Die Veranstaltungen im Einzelnen

Andere Welt

D, 2012-2013, 79 min, digital

Regie: Christa Pfafferott

Warum wird ein Mensch in die forensische Psychiatrie eingeliefert? Wann kann er die Einrichtung wieder verlassen? Wie gehen Patienten und Pflegepersonal mit der Situation um? "Andere Welt" von Christa Pfafferott geht diesen Fragen am Beispiel der Frauenstation einer Klinik für Forensische Psychiatrie nach. Der eindringliche Dokumentarfilm leuchtet den Mikrokosmos einer überschaubaren, in sich geschlossenen Klinik-Welt aus. In der forensischen Psychiatrie, dem so genannten Maßregelvollzug, werden psychisch erkrankte Straftäter*innen untergebracht. Sie gelten als schuldunfähig, weil sie unter dem Einfluss einer psychischen Erkrankung eine Straftat begangen haben. Erst, wenn sie nicht mehr als "allgemeingefährlich" gelten, werden sie wieder entlassen. Eine Form der Unterbringung, die nicht erst seit dem Fall Gustl Mollath politisch und medial kontrovers diskutiert wird. Christa Pfafferott zeigt uns nicht nur den Alltag der Patientinnen, sondern auch den des Klinikpersonals. Sie macht die Abhängigkeiten und Wechselwirkungen im Mit- und Gegeneinander beider Gruppen sichtbar. (Quelle: SWR - Junger Dokumentarfilm)

Am 1.2. ist die Regisseurin nach dem Film zu Gast.

http://www.christa-pfafferott.de/works/andere-welt/

Donnerstag, 01. Februar, 19:00 Uhr
Sonntag, 18. Februar, 20:00 Uhr
Sonntag, 25. Februar, 20:00 Uhr reservieren

Dialogues With Madwomen

USA, 1993, 90 min, OmU, 16mm

Regie: Allie Light

"Ich hatte immer Angst, dass mich jemand fragt, wo ich war, als John F. Kennedy erschossen wurde, und ich hätte sagen müssen: Ich war in einer psychiatrischen Klinik." (Allie Light) Sieben Frauen legen in diesem Film ihre Erfahrungen mit "manischer Depression" (bipolarer Störung), Multipler Persönlichkeitsstörung und Schizophrenie, aber auch mit Kreativität und
Genesung offen. Regisseurin Allie Light selbst erzählt von ihrer Depression und ihren Erfahrungen in der Psychiatrie. R. B. stieg nach einer Vergewaltigung aus ihrem Leben aus und wurde obdachlos. Hannah ist manisch-depressiv und glaubt, dass sie dazu auserkoren ist, mit Bob Dylan die Welt zu retten. Dee Dee zeichnet methodisch alles auf, von dem ihr die Katholische Kirche beigebracht hat, dass es gut für sie sei - und sie in die Selbstverstümmelung trieb. Mairi hat durch den Missbrauch, der ihr widerfahren ist, 25 verschiedene Persönlichkeiten ausgebildet. Karen litt Zeit ihres Lebens unter Rassismus und Ausgrenzung. Die Frauen öffnen sich vor der Kamera, sie reden humorvoll und leidenschaftlich. Es gibt keine sogenannten Experten, die ihre Sicht auf die Dinge einordnen. Unter Verwendung von Homevideos, Archivmaterial und Re-enactment zeichnet Allie Light ein komplexes und bewegendes Porträt von Frauen, deren seelische Krankheit mit inspirierender Energie und Kreativität einhergeht.

Donnerstag, 01. Februar, 21:00 Uhr
Samstag, 10. Februar, 22:00 Uhr
Samstag, 24. Februar, 20:00 Uhr reservieren

Tarnation

USA, 2003, 88 min, OmU, 35mm

Regie: Jonathan Caouette
Kamera: Jonathan Caouette
Musik: Jonathan Caouette
Darsteller: Jonathan Caouette, Renée LeBlanc

Caouette erzählt in seinem autobiographischen Film auf sehr persönliche, berührende und teils selbst-therapierende Weise von den Traumata und den Zuständen innerhalb der eigenen Familie. Durch die tragische Geschichte der Mutter, die in jungen Jahren mit Elektroschocks behandelt wurde und mit der Diagnose "Schizophrenie" immer wieder in psychiatrischen Kliniken landete, wird auch ein genauer Blick auf diese Institution mit ihren Methoden und Behandlungsweisen geworfen. Mit Super8-Aufnahmen von sich schon als kleinem Jungen und anderen Archivbildern, nimmt der Filmemacher eine*n mit auf eine schmerzvolle, wilde, mitreißende und verstörende Odyssee.

Samstag, 03. Februar, 20:00 Uhr
Donnerstag, 08. Februar, 19:00 Uhr
Samstag, 17. Februar, 22:00 Uhr

Q-Movie Bar: Totally F***ed Up

USA, 1993, 76 min, OmU, digital

Regie: Gregg Araki
Darsteller: James Duval, Roko Belic, Susan Behshid, Jenee Gill

Eine Gruppe schwul-lesbischer Teenager versucht in den 90er Jahren in Los Angeles mit den Problemen des Heranwachsens fertig zu werden. Sie sind auf der Suche nach ihrer sexuellen Identität und der "großen Liebe". Ihre Eltern haben sie rausgeworfen, sie sind pleite, leben in ständiger Angst vor der homofeindlichen Umwelt und ziehen über alles her, was sie bewegt - Safer Sex, Drogen, Liebe, Selbstbefriedigung und AIDS.
Gregg Araki, die Ikone des "Queer Cinema", zeigt in seinem pseudo-dokumentarischen Film, wie sich Jugendliche durch "teenangst" dem Leben entfremden. Der Streifen wurde im Guerrilla-Stil auf der Straße gedreht und reflektiert den surrealen Zustand vom Leben in einer ungewöhnlichen und ausgeflippten Welt. Eine ironische, leidenschaftliche, humorvolle und bewegende Studie über eine ungeliebte Generation.

Danach Bar mit leckeren Cocktails!

www.q-movie-bar.de

Samstag, 03. Februar, 22:00 Uhr

Lav Diaz Day: The Woman Who Left (Ang Babaeng Humayo)

PHL, 2016, 228 min, OmU, DCP

Regie: Lav Diaz
Darsteller: Charo Santos-Concio, John Lloyd Cruz

Das vorletzte Werk des philippinischen Ausnahmeregisseurs Lav Diaz ist ein weiteres, sich über mehrere Stunden ziehendes Epos: Horacia will sich an ihrem ehemaligen Liebhaber rächen, der für ihre 30-jährige Gefängnisstrafe verantwortlich ist. Ein visuell überwältigendes, archaisches und tief menschliches Drama über Schuld und Solidarität, bevölkert von den Geistern der Vergangenheit und von schrägen Nachtgestalten.

Genaueres unter:

www.allyouneedislav.de

Sonntag, 04. Februar, 18:00 Uhr

Hörbar

Zentraler Treffpunkt für Konsumenten und Produzenten experimenteller Musik, jeden Mittwoch.

www.hoerbar-ev.de

Mittwoch, 07. Februar, 21:00 Uhr
Mittwoch, 14. Februar, 21:00 Uhr
Mittwoch, 21. Februar, 21:00 Uhr
Mittwoch, 28. Februar, 20:00 Uhr
H├Ârbar

Wie die Anderen

AT, 2015, 100 min, OV, DCP

Regie: Constantin Wulff

Der Dokumentarfilm portraitiert den Arbeitsalltag der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Tulln als permanenten Balanceakt zwischen Behutsamkeit und Druck, Routine und Improvisation. Prägnante Beobachtungen im Direct Cinema-Modus verdichten sich zur berührenden, beunruhigenden Befragung einer Institution und ihrer gesellschaftlichen Funktion: Welche Hilfe kann die Klinik in der kurzen Zeit leisten, bis die Kinder und Jugendlichen wieder in ihren Alltag zurückkehren? Der Film setzt diffusen Psychiatrieängsten einen präzisen Beobachterblick entgegen.
Über eineinhalb Jahre hat Regisseur Constantin Wulff den Alltag der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie im niederösterreichischen Landesklinikum in Tulln verfolgt. Sein unsentimental einfühlender Film zeigt institutionelle Arbeit: zwischen Regelwerk und Improvisation. Wie wir kann auch das Abteilungspersonal die Kinder und Jugendlichen nur ein kurzes Stück begleiten, bevor sie wieder in ihren Alltag zurückkehren.

Donnerstag, 08. Februar, 21:00 Uhr
Donnerstag, 15. Februar, 19:00 Uhr
Samstag, 24. Februar, 22:00 Uhr reservieren

I'm a Cyborg, But That's OK

KOR, 2006, 105 min, OmU, 35mm

Regie: Park Chan-Wook
Darsteller: Lim Soo-jung, Jung Ji-hoon

Regisseur Park Chan-wook bezeichnet seinen Film als eine Art romantischer Komödie - das lässt jede*n, der/die auch nur eine Ahnung vom Oeuvre des koreanischen Ausnahmeregisseurs hat, einiges vermuten. Doch der Film sprengt die Dimension des Vorstellbaren. Die abgedrehte Mischung aus "Einer flog über'?s Kuckucksnest", dem Ideenreichtum Michel Gondrys und der visuellen Kraft des koreanischen Kinos ist ein beinahe anarchistisches Meisterwerk.

Samstag, 10. Februar, 20:00 Uhr
Donnerstag, 15. Februar, 21:00 Uhr
Sonntag, 25. Februar, 18:00 Uhr reservieren

Anita - Tänze des Lasters

BRD, 1986, 85 min, OV, digital

Regie: Rosa von Praunheim
Kamera: Elfi Mikesch
Darsteller: Lotti Huber, Ina Blum

Die Geschichte wird aus der Perspektive einer alten Frau erzählt, die sich auf dem Berliner Ku'damm auszieht, ins Irrenhaus kommt und behauptet, Anita, die berühmteste Nackttänzerin Deutschlands, zu sein.

Lotti Huber ist Frau Kutowski, und Frau Kutowski ist Anita Berber, die Ikone des Berliner Nachtlebens der Zwanziger Jahre - jedenfalls hält sie sich dafür. Da ihre Umwelt diese Auffassung nicht teilt, landet Frau Kutowski in der Psychiatrie. Rosa von Praunheim inszeniert das Leben der legendären Nackttänzerin in den "Erinnerungen" der alten Dame: als Stummfilmsequenzen, expressiv und farbenprächtig - während die Gegenwart der Psychiatrie schwarzweiß bleibt, grau und trostlos.

Sonntag, 11. Februar, 18:00 Uhr
Samstag, 17. Februar, 20:00 Uhr
Donnerstag, 22. Februar, 19:00 Uhr reservieren

Zwischen Wahnsinn und Kunst - Die Sammlung Prinzhorn

D, 2007, 75 min, digital

Regie: Christian Beetz

In seinem Dokumentarfilm nimmt Regisseur Christian Beetz den Zuschauer mit auf eine Entdeckungsreise durch die Archive der Sammlung Prinzhorn. Die weltweit bedeutendste Sammlung bildnerischer Werke von Psychiatrie-Patient*innen hat seit ihrem Entstehen Anfang der 1920er Jahre nachhaltigen Einfluss auf die psychiatrische und therapeutische Praxis. Auch die Kunst der Moderne, namentlich Paul Klee, Alfred Kubin, Max Ernst und mit ihm die surrealistische Bewegung begeisterte sich für die Werke der "Irrenkunst", die der Heidelberger Arzt und Kunsthistoriker Hans Prinzhorn in seinem Buch "Bildnerei der Geisteskranken" 1922 publizierte. Prinzhorn gilt als Wegbereiter neuer Therapieformen, vor allem der Kunsttherapie. Sein Ansatz, den bildnerischen Werken von "Anstaltsinsass*innen" einen eigenen Wert beizumessen, war ein mutiger erster Schritt auf einem damals noch ganz unbekannten Terrain.

Vorfilm: Lou Bëth Xayma
BE 2014, 14 Min., frz. und Wolof OmeU, digital, Regie: Atelier Graphoui Ein Film über Psychiatriepatient*innen im Senegal.

Sonntag, 11. Februar, 20:00 Uhr
Sonntag, 18. Februar, 18:00 Uhr
Donnerstag, 22. Februar, 21:00 Uhr reservieren

Dokumentarfilmsalon auf St. Pauli: Utbüxen kann keenen

D, 2015, 90 min, plattdeutsche OmU, digital

Regie: Gisela Tuchtenhagen & Margot Neubert-Maric

Sie sind Tischlermeister, Sargtischler, Bestatter, Totengräber, Sargträger und Totenbitterin. Menschen, für die der Tod zwar Alltag, aber immer noch etwas Besonderes geblieben ist. Sie leben in Ostfriesland, Mecklenburg, Dithmarschen, auf Hallig Hooge und Hallig Langeneß und sprechen alle ihr eigenes Platt. Die Protagonisten erzählen von ihren Erfahrungen und was der tägliche Umgang mit dem Tod und den Toten für sie bedeutet.

zu Gast sind: Gisela Tuchtenhagen und Margot Neubert-Maric

Bar und Salon ab 18:30 Uhr geöffnet. Eintritt auf freiwilliger Spendenbasis. Näheres unter:

www.dokumentarfilmsalon.org

Dienstag, 13. Februar, 20:00 Uhr

Midnightmovie: Die Brut

CAN, 1979, 92 min, OmU, digital

Regie: David Cronenberg
Darsteller: Oliver Reed, Samantha Eggar, Art Hindle

Um ihre Ehe zu retten, unterzieht sich Franks Frau einer umstrittenen Psychotherapie von Dr. Raglan. Als dann einige Menschen aus Franks Bekanntenkreis das Zeitliche segnen, mehren sich seine Zweifel an der ominösen Therapie. ┬ôDie Brut┬ö stammt aus einer frühen Phase Cronenbergs, in der er schon damals Faszination, Philosophie und Ekel vereinte.

mit Einführung

Samstag, 17. Februar, 23:59 Uhr

Arab FilmClub: Kaum öffne ich die Augen (As I Open My Eyes)

TUN, 2015, 102 min, Arabische OV mit dt. UT

Regie: Leyla Bouzid
Darsteller: Baya Medhaffer, Ghalia Benali, Montassar Ayari

Tunis kurz vor dem Arabischen Frühling: Farah hat ihr Abitur gemacht, und ihre Familie stellt sie sich bereits als Ärztin vor. Sie aber singt für ihr Leben gern in einer Rock-Band und rebelliert mit politischen Texten gegen die einengende patriarchale Gesellschaft. Ein explosiver und mutiger Film voller jugendlicher Neugier, Freiheitsdrang und mitreißender Musik!

Leya Bouzids erster Langfilm wurde direkt zum Festivalhit und 2017 als tunesischer Beitrag für den Oscar nominiert.

Eintritt frei

Gefördert vom Fonds "Flüchtlinge & Ehrenamt" in der BürgerStiftung Hamburg

Sonntag, 25. Februar, 15:00 Uhr reservieren

Dokumentarfilmsalon auf St. Pauli: Pawel und Wawel

AT/PL, 2014, 63 min, engl. OV, digital

Regie: Krzysztof Kaczmarek

Pawel und Wawel versammelt eigenwillige Bilder und Sounds einer Reise durch Island, die sich zwischen dokumentarischer Geste und performativer Strategie positionieren. Ausgangspunkt und Anker dieses Genre überschreitenden Diary Films, Roadmovies und Dokumentarfilmprojekts ist das von Krzystof Kaczmarek initiierte Filmfestival "What's the difference between Pawel and Wawel," das mehr oder weniger erfolglos mit polnischen Klassikern über die Insel tourt.

Bar und Salon ab 18:30 Uhr geöffnet. Eintritt auf freiwilliger Spendenbasis. Näheres unter:

www.dokumentarfilmsalon.org

Dienstag, 27. Februar, 20:00 Uhr reservieren